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Brandübungscontainer: todbringende Feuerwalze vermeiden Der   Tod   hat   keine   Vorwarnzeit. Als   das   Rauchgas   durchzündet,   rast   eine   Feuerwalze   die   Decke   entlang   in   Richtung Ausgang.   Die Feuerwehrleute,   die   am   Boden   kauern,   ziehen   instinktiv   die   Köpfe   ein.   Es   ist   der   Moment,   den   jeder   Feuerwehrmann   beim Innenangriff fürchtet. Nun besteht akute Lebensgefahr. Zumindest im Ernstfall. Im    Brandübungscontainer    des    Landesfeuerwehrverbands    wird    dieses    schlimmste    aller    denkbaren    Szenarien    ganz    bewusst herbeigeführt.    64    Atemschutzgeräteträger    der    Freiwilligen    Feuerwehren    aus    den    elf    Kommunen    hatten    diese    Woche    die Möglichkeit,   sich   unter   Realbedingungen   in   Burgkunstadt   „In   der Au“   für   den   Ernstfall   vorbereiten   zu   lassen.   Ein   Glücksfall,   wie   der zuständige    Kreisbrandmeister    Thomas    Petterich    findet.    Und    ein    deutschlandweit    einzigartiges    Projekt,    das    das    Bayerische Innenministerium in Zusammenarbeit mit dem Ausrüster Dräger auf die Beine stellt. Nicht zu überleben „880   Grad.“   Trainer   Kevin   Sündermann   aus   Lübeck   liest   den   Wert   von   seiner   Wärmebildkamera   ab.   800   Grad   Celsius   hat   es   an der   Decke   der   Übungsanlage,   als   die   Feuerwalze   über   die   Köpfe   hinwegsaust.   Auf   Höhe   der   Helme   sind   es   immer   noch   knapp 280 Grad. „Das hält die stärkste Schutzkleidung nicht aus“, sagt Petterich. Dem   praktischen   Teil   geht   eine   theoretische   Einweisung   voraus.   Natürlich   wissen   die   jeweils   acht   Feuerwehrleute,   wie   eine Atemschutzausrüstung   anzulegen   ist.   Wie   sie   vorrücken   müssen.   Das   haben   sie   in   Lehrgängen   gelernt.   „Das   Problem   ist   aber, dass   längst   nicht   jeder   einen   Ernstfall   erlebt   hat   nach   seiner   Ausbildung“,   sagt   der   Kreisbrandmeister.   Heute   ist   der   Ernstfall gekommen, wenn auch nur realistisch simuliert. „Angst   darf   man   keine   haben.   Respekt   aber   muss   sein.“   Raphael   Gahn   von   der   Freiwilligen   Feuerwehr   Lichtenfels   weiß,   wovon   er spricht.   Während   er   den   Kollegen   zusieht,   wie   sie   Pressspanplatten   in   den   rußschwarzen   Container   tragen,   nehmen   er   und   Tim Hallermeier   als   Sicherungstrupp Aufstellung.   Beide   haben   schon   am   Vormittag   den   Praxisdurchgang   durchlaufen.   Nun   sind   sie   für die Sicherheit zuständig. Wie ein Zimmerbrand entsteht Es   ist Ausbilder   Manuel   Ursel,   der   das   Inferno   entfachen   darf.   Mit   dem   Bunsenbrenner   entzündet   er   einen   kleinen   Initialbrand,   die acht   Feuerwehrler   unter   Atemschutz   schauen   ihm   zu.   Erster   Rauch   breitet   sich   an   der   Decke   aus.   Erst   weiß,   dann   grau,   dann schwarz   und   beißend.   „Jetzt   bitte   Türe   schließen!“   Gahn   und   Hallermeier   verriegeln   die   Übungsanlage.   28   Grad   hat   es   an   diesem Sommertag. Die Atemschutzträger erleben gleich ein Zehnfaches davon. „Wir   verbrennen   pro   Durchgang   wassergepresste   Holzplatten   von   rund   zehn   Quadratmetern.   Nicht   mehr   als   das   Holz   eines zweiflügeligen   Kleiderschranks“,   sagt   Trainer   Kevin   Sündermann.   Nicht   wirklich   viel,   doch   das   Ergebnis   ist   erschreckend.   Da   die Wände   und   die   Decken   der   Brandübungsanlage   damit   ausgekleidet   werden,   entsteht   der   Eindruck   eines   massiven   Zimmerbrands. Die   Feuerwehrleute   machen   das,   was   sie   sonst   nicht   tun:   Sie   schauen   zu,   wie   sich   das   Feuer   entwickelt.   „Auch   mal   interessant   zu sehen“, sagt Ronny Kraus. „Wenn wir sonst kommen, steht meist alles schon in Vollbrand.“ Stoßweises Löschen Die    Tür    des    Containers    ist    nur    knapp    eine    Minute    geschlossen,    dann    wird    sie    wieder    geöffnet.    Der    Qualm    nimmt    den Umstehenden   die   Luft.   Die   Feuerwehrleute   sehen   keine   Hand   mehr   vor   Augen.   Nun   dürfen   sie   mit   dem   Löschen   beginnen.   Das Hohlstrahlrohr   wird   stoßweise   geöffnet.   „Ein   Liter   Wasser   erzeugt   1700   Liter   Wasserdampf“,   erklärt   Kreisbrandmeister   Thomas Petterich.   „Es   ist   nicht   das   Feuer,   das   gefährlich   ist,   der   Bastard   an   der   ganzen   Geschichte   ist   das   Rauchgas.   Das   Feuer   sieht man,   das   Feuer   kann   man   beobachten“,   fügt   Ausbilder   Manuel   Ursel   an.   „Aber   Rauchgase...“   Er   bricht   ab.   Kreisbrandmeister Petterich    spricht    es    aus:    „Die    Durchzündung    ist    dein    Tod.“    Kühlen,    kühlen,    kühlen,    heißt    die    Devise.    Und    unbedingt    den gefürchteten „Flashover“ vermeiden. Dass   dieser   schlimmste   aller   Fälle   an   diesem   Tag   trotzdem   eintritt,   ist   gewollt.   Die   Feuerwehrleute   sollen   die   todbringende   Gefahr in   der   Simulation   hautnah   erleben.   Insgesamt   sind   sie   je   nur   20   Minuten   im   Feuermeer.   Es   sind   aber   Minuten,   die   sie   nachhaltig beeindrucken.   Schweißgebadet   verlassen   sie   die   Übungsanlage.   Doch   am   Ende   ist   die   Praxisausbildung   damit   noch   nicht.   Auch das   richtige   Entkleiden   will   gelernt   sein.   Die   Schutzausrüstung   ist   nun   kontaminiert,   die Anhaftungen   können   krebserregend   sein. Doch wer Helm, Überjacke, Lungenautomat, Handschuhe und Co. richtig aus- und abzieht, kommt damit nicht in Berührung. Heißer als gedacht „Alter   Schwede,   war   das   heiß.“   Die   acht   Feuerwehrleute   nehmen   die   Mineralwasserflaschen   dankend   an.   Sie   sitzen   im   Schatten, die   Anstrengung   ist   ihnen   deutlich   anzusehen.   „Heißer   als   gedacht.“   So   heiß,   dass   unter   den   Atemschutzmasken   sogar   die Gestelle   der   Brillen   beginnen,   sich   unangenehm   zu   erhitzen.   Trotzdem   sind   die   Ehrenamtler   bei   der   Nachbesprechung   alle dankbar   für   dieses   Erlebnis.   „Normalerweise   müsste   jeder   mal   in   so   einen   Container“,   finden   sie.   Ein   Wunschtraum.   Schon   am Samstag wird die Übungsanlage den Landkreis wieder verlassen. Quelle: Markus Drossel